Magensäure Blocker-Rezeptfrei
Mit grossen Interesse verfolgt das "GERD Center of Excellence" die medialen Berichte zu Sodbrennen. Die derzeit geführte Diskussion zum Thema "Rezeptfreie Magensäure Blocker gegen Sodbrennen" erfüllt uns mit grosser Sorge.
Bei Sodbrennen kann bereits eine Vorstufe zum Speiseröhre Krebs vorhanden sein. Deshalb halten wir es fahrlässig, die Therapie mit einem Magensäureblocker ohne adäquate Spiegelung (+richtige und ausreichende Entnahme von Gewebeproben) zu empfehlen. Damit können Vorstufen zum Speiseröhre Krebs verschleiert werden.
Eigene Daten zeigen, dass jene mit Sodbrennen in 30% der Fälle bereits eine Vorstufe zum Speiseröhre Krebs in der unteren Speiseröhre haben. Weiters können diese Krebsvorstufen nur in den Gewebeproben aus der unteren Speiseröhre nachgewiesen werden (diese werden nicht immer entnommen).
Die Bevölkerung muss darüber informiert werden, dass Magensäureblocker nicht ohne adäquates Management eingenommen werden sollen. Das Management von Sodbrennen kann dann entsprechend den Ergebnisse der feingeweblichen Untersuchung der Gewebeproben (durch den Pathologen) erfolgen. Besteht keine Krebsvorstufe (=Kardia Mukosa, Oxyntokardia Mukosa), dann kann die Therapie mit einem Magensäureblocker fortgesetzt werden. Eine Kontroll Spiegelung in 5 Jahren wird empfohlen.
Besteht eine Krebsvorstufe (=Barrett Ösophagus) besteht die Möglichkeit, diese mit einer neuen, höchst wirksamen Methode zu entfernen (=Radiofrequenz Ablation, HALO®, Barrx Medical). Diese neue Behandlung wird unter anderem auch an der chirurgischen Abteilung im AKH Wien durchgeführt.
Die Behandlung erfolgt in Kurznarkose. Im Rahmen einer Speiseröhren Spiegelung wird das Barrett Gewebe "verbrannt". Nach 4-6 Wochen wird das verbrannte Areal durch eine normale Schleimhaut ersetzt. Damit ist das Krebsrisiko vorerst gebannt. Während der Heilungsphase muss eine hochdosierte Therapie mit einem sehr wirksamen Magensäure-Blocker fortgesetzt werden. Die Funktion der Speiseröhre bleibt erhalten. In 90-100% der Fälle ist das Barrett Gewebe nach einer Behandlung entfernt. Weltweit wurden bis dato über 30.000 solcher Behandlungen durchgeführt. Nebenwirkungen sind sehr selten und nur wurden nur bei 74 Personen (0.22%) der Fälle beobachtet.
Prinzipiell sollen Personen mit Sodbrennen auch über die Möglichkeit einer chirurgischen Therapie informiert werden, weil dadurch die Ursache, der Reflux, wirksam eliminiert werden kann (Säureblocker ändern ja nur den Säurewert des Refluxes). Neben Sodbrennen können auch Husten, Heiserkeit, Halsschmerzen, Zungenbrennen, Nebenhöhlenentzündungen und Asthma-Beschwerden auf das Bestehen einer Refluxkrankheit (und ein mögliches Krebsrisiko) hinweisen.